In Westeuropa und den USA wird Yoga in vielen Fällen als Synonym für körperliche Übungen verwendet – dies ist nur bedingt richtig, da die verschiedenen Ausprägungen der Lehre auch meditative und philosophische Aspekte umfassen. Die rein physischen Übungen werden hingegen mit den spezifischeren Begriffen “Yogasanas” oder “Asanas” bezeichnet. Das Prinzip meditativer Techniken wurde bereits um 700 vor Christus in den Upanishaden erwähnt – dabei handelt es sich um philosophische Schriftsammlungen, die dem Hinduismus zugerechnet werden. Auf 400 v.Chr. datierte Schriften beinhalten bereits den Begriff Yoga und erläutern die wichtigsten Bestandteile der Lehre, auch im bekannten indischen Epos Mahabharata (300 v.Chr.) nimmt sie einen herausgehobenen Stellenwert ein. Trotz des hinduistischen Ursprungs wird Yoga heute von Menschen aller Religionen praktiziert.
Ursprünglich rein spirituell geprägt entwickelten sich nach und nach die körperlichen Übungen des Yogas. Das Hauptziel war dabei, den Körper für die Meditation zu kräftigen und ein längeres Verweilen in speziellen Sitzpositionen, beispielsweise dem Lotossitz, zu ermöglichen. Die Schrift “Hatha Yoga” aus dem 15. Jahrhundert gilt als einer der Haupteinflüsse auf die heutige Praxis, ein Gleichgewicht zwischen Geist und Körper durch eine Verknüpfung von physischen Übungen, Meditation und speziellen Atemtechniken zu erreichen.
In der westlichen Welt verbreiteten sich Yoga-Techniken vor allem in den 1960er Jahren: Das wachsende Interesse in den Bevölkerungen Europas und der USA hatte die Gründung spiritueller Schulen und Yoga-Zentren zur Folge, die unterschiedliche Ansätze der Lehre vertraten. In den 1980er Jahren kam es erneut zu einem verstärkten Interesse an der indischen Lehre, dieses Mal wurde der Fokus auf die positiven gesundheitlichen Aspekte der Übungen gelegt. In Deutschland entdeckte die Frauenbewegung in den 1990er Jahren Yoga für sich – in selbst organisierten Projekten wurden spezielle Varianten der Übungslehre für weibliche Praktizierende geschaffen. Heute wird die Zahl der Yogis in Deutschland auf mehr als drei Millionen geschätzt. Der Anteil weiblicher Yogis überwiegt dabei stark: Sie machen rund 80 Prozent aller Yoga-Praktizierenden aus.
Um die verschiedenen Richtungen und Schulen zu vereinen und einen Rahmen für die Qualitätssicherung zu schaffen, haben sich diverse Verbände entwickelt. Ein Beispiel ist der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY), der nach eigenen Angaben etwa 3.000 Mitglieder umfasst. Zu den international tätigen Verbänden zählt unter anderem die Yoga Alliance aus den USA. Die Organisationen ermöglichen es Lehrenden, sich offiziell zertifizieren zu lassen, um als verbandsgeprüfter Yogalehrer Unterricht zu erteilen. Dabei wird vorausgesetzt, dass der Aspirant eine gewisse Anzahl an Unterrichtsstunden in einer vom Verband anerkannten Schule absolviert. Die geforderte Stundenanzahl kann dabei zwischen 200 und 700 liegen, die Ausbildung erstreckt sich über zwei bis vier Jahre – je nach Einzelpreis der Unterrichtseinheiten können auf diese Weise hohe vierstellige Beträge zusammenkommen. Aspiranten sollten sich im Vorfeld der Ausbildung darüber im Klaren sein, wie viel Zeit und Geld sie investieren wollen. Auf den Internetseiten der Verbände stehen Listen von anerkannten Schulen bereit, die die Ausbildung nach den jeweiligen Verbandskriterien vornehmen.


Dezember 12th, 2011
Steffen
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